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„Das Land ist in der Pflicht für die gehörlosen Eltern eine rechtlich saubere und gute Lösung zu schaffen“

Die Stadt Stuttgart hat angekündigt künftig die Kosten für Gebärdensprachdolmetscher bei Elternabenden an Kitas zu übernehmen. Dazu erklärt der Landesvorsitzende des Landesverbands der Gehörlosen Baden-Württemberg, Wolfgang Reiner:

„Die Stadt Stuttgart geht damit einen beispielhaften Schritt für das ganze Land. Das Problem wurde erkannt und es wurde nach einer einfachen, unkomplizierten Lösung für die Eltern, als auch die Stadt gesucht – und gefunden! Dazu kann ich der Stadt nur ein herzliches Dankeschön ausrichten, ebenso an alle Beteiligten, die sich für unser Anliegen eingesetzt haben.

Dies ist aber nur ein Schritt auf einem weiten Weg, den wir noch gehen müssen, um unser Ziel zu erreichen. Und dies lautet: ein Rechtsanspruch der gehörlosen Eltern auf Kostenübernahme für Gebärdensprachendolmetscher für alle Veranstaltungen an Kindertagesstätten und Schulen ihrer Kinder. Und zwar in ganz Baden-Württemberg und nicht nur in Stuttgart!

Im Herbst hatten wir noch knapp 5.000 Unterschriften an Sozialminister Manne Lucha übergeben. Wir hatten gefordert, dass das Land die Finanzierung von Gebärdensprachdolmetschern für alle Termine in den Schulen und Kindergärten für die gehörlosen Eltern ermöglicht. Beispielsweise über eine Kommunikationshilfeverordnung.

Die Stadt springt nun vorübergehend in die Bresche und ich hoffe, dass das Land bald nachzieht. Für die Eltern ist es nicht hinnehmbar, dass sie nicht an der schulischen Entwicklung ihrer Kinder mitwirken können. Dabei ist das doch ihr gesetzlicher Auftrag! Wir hoffen, dass das Land den Gesprächsfaden wieder aufnimmt und mit uns diskutiert, wie wir zu einer Lösung kommen können.

Denn es kann nicht sein, dass Landesaufgaben nach und nach auf die Kommunen abgewälzt werden. Das Land ist in der Pflicht für die gehörlosen Eltern eine rechtlich saubere und gute Lösung zu schaffen. Wir haben im Gespräch mit Minister Lucha Lösungsvorschläge gemacht – etwa die angesprochene Kommunikationshilfeverordnung. Diese gilt es nun voranzubringen und baldmöglichst umzusetzen! Wir sind bereit daran mitzuwirken.“

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